Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie sind eingeladen zu Besuch. Die Frau des Hauses öffnet Ihnen. Sie überreichen einen Blumenstrauß, und sie sagt: "Das ist aber nicht nötig".

Sind Blumen nötig? Mancher denkt: Sie kosten viel und bringen wenig. Wenn schon ein Geschenk, dann etwas "Praktisches", etwas, das man gebrauchen kann. Blumen sind nicht nötig wie andere Dinge nötig sind. Man kann sie nicht verwerten.

Allzu oft denken wir: Was bringts? Was habe ich davon? Was kann ich damit machen? Auch Religion und Kirche, Glaube und Gottesdienst werden oft durch diese Brille gesehen: Was habe ich davon? Was bringt mir der Gottesdienst? Die Kirche wird schließlich zur Sinn-Agentur, zur Institution für bestimmte soziale Dienste, zum moralischen Rückhalt für Staat und Gesellschaft. Da ist sie zu gebrauchen.

Zurück zum Blumenstrauß: Sind Blumen nötig? Es gibt Erfahrungen in unserem Leben, die über das vordergründig Nötige hinausreichen. Blumen sind eigentlich nicht nötig, aber sie sind schön. Sie eröffnen eine neue Dimension, über die Kosten-Nutzen-Kalkulation und über das "Wie Du mir, so ich Dir" hinaus.

Ist Musik nötig? Ist es nötig, dass wir einen Chor haben? Was bringt er denn? "Eigentlich nicht nötig ..." Aber es ist schön, dass er da ist. Es ist gut, dass wir singen. Könnten wir sonst feiern?

Und die Liebe? Ist Liebe nötig? Sie ist nicht unbedingt nötig, um ein Kind zu zeugen. Mann und Frau können das auch so "machen". Und schließlich kann man es auch im Reagenzglas bewerkstelligen. Ist Liebe nötig? Man kann sie nicht "gebrauchen", nicht "verwerten". Liebe wird von Grund auf verkehrt, wenn der andere mich als sein Eigentum betrachtet, wenn er das freie Versprechen, ihm zu gehören, in ein Verfügungsrecht verkehrt. Wir sagen oft: "Du, ich brauche dich". Das kann gut gemeint sein. Es wird aber ganz schlimm, wenn ich jemanden gebrauche wie eine Zigarette oder ein Geldstück. Dann missbrauche ich ihn.

Ist Liebe nötig? Mehr noch als bei den Blumen und der Musik stoßen wir mit dieser Frage auf eine andere Dimension. Es gibt Erfahrungen, die das vordergründig Nötige weit überschreiten. Das, von dem wir sagen: "Eigentlich nicht nötig", ist - so paradox es klingt - das Allernötigste. Es lässt uns Mensch werden.

Hat das alles mit Gott zu tun? Sehr viel! Haben wir Gott nötig? Die Frage ist nicht aus der Luft gegriffen. Manch einer denkt: "Eigentlich nicht nötig ... Die Sonne scheint auch ohne Gott, das Bier schmeckt auch ohne Gott, und der Rubel rollt auch ohne Gott. Ich brauche Gott nicht." In der Tat, Gott ist nicht nötig wie Geld und Bier. Wer Gott gebrauchen will, geht leer aus. Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart sagt: "Manche Menschen wollen Gott mit den Augen ansehen, mit denen sie eine Kuh lieben. Die liebst du wegen der Milch und des Käses und deines eigenen Nutzens. So haltens alle jene Leute, die Gott um des äußeren Reichtums oder des inneren Trostes willen lieben. Die aber lieben Gott nicht recht, sondern sie lieben ihren Eigennutz." Gott lässt sich von uns nicht gebrauchen wie Käse und Milch. Er möchte uns auf jener anderen Ebene begegnen, die uns sagen lässt: "Ohne dich will ich nicht leben; nicht weil ich etwas von dir haben muss, sondern weil du du bist".

Einen Gott, den man nur braucht, braucht man schließlich nicht mehr. Um Gott zu begegnen braucht es die Gnade des "Umsonst" - jenseits aller Nützlichkeiten.

Was soll der Gottesdienst? "Er bringt mir nichts", sagen viele. Was soll er uns bringen? Etwa Gott? Wir können ihn auch auf frommem Wege nicht machen. Wir sind weder Macher noch Verbraucher Gottes. Aber wir können ihn empfangen - wie die Liebe.

Im Gloria steht der bedenkenswerte Satz: "Wir rühmen dich und danken dir, denn groß ist deine Herrlichkeit". Auf den ersten Blick scheint das eine einzige Übersteigerung zu sein: Wir danken Gott nicht für das, was er für uns tut, wir danken ihm einfach dafür, dass er ist: Wir sagen dir Dank, weil du da bist. Wir verehren ihn nicht, weil wir etwas von ihm haben wollen, sondern absichtslos, ohne Hintergedanken. - Darin spricht sich das Wesen der Liebe aus. Denn Liebe ist erst dort am Ziel, wo man jemanden nicht wegen etwas, sondern wegen seiner selbst liebt, wo es einem nicht mehr darauf ankommt, dass man etwas von ihm hat und bekommt, sondern darauf, dass er ist. Das durchbricht den Zwang des funktionalen Leistungsdenkens. Es entreißt uns dem Diktat der Zwecke und Nützlichkeiten und schenkt uns freien Raum zum Atmen. Sind wir so frei?

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24. Juni 2018, 09:30 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Pfarrgottesdienst
Geburt des hl. Johannes des Täufers

24. Juni 2018, 19:00 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Eucharistiefeier
Geburt des hl. Johannes des Täufers

1. Juli 2018, 09:30 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Pfarrgottesdienst
13. Sonntag im Jahreskreis

anschließend Pfarrfrühschoppen

Adresse

Pfarrbüro Hall in Tirol - St. Nikolaus
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Tel.: +43 5223 57914 / Fax: DW -3

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