Innenansicht Kirche St. Nikolaus

Im Jahr 2017 gedachten die evangelische und die katholische Kirche gemeinsam des 500. Jahresstages der Reformation. Es sind 500 Jahre nach dem angeblichen Thesenanschlag Martin Luthers an der Schlosskirche zu Wittenberg. Mit den 95 Thesen Luthers von 1517 - gleichgültig, ob er sie an der Wittenberger Schlosskirche wirklich angeschlagen oder ob er sie verschickt hat - will er die Kirche reformieren, die katholische Kirche erneuern. Sein Ziel ist die Reform der Kirche, vom Evangelium her, nicht die Gründung einer eigenen Kirche. Er tut dies mit der ihm eigenen Sprachgewalt, die fromm, zart und innig sein konnte, aber auch ungehobelt grob bis hin zu Hasstiraden, nicht nur gegen den Papst, sondern auch gegen Juden und Muslime. Seine Ablassthesen sind als Einladung zu einer akademischen Diskussion gedacht, die freilich nie stattfand.

Das überwältigende Echo, das wohl auch Luther überrascht haben dürfte und mit dem er wohl nicht gerechnet hatte, löste eine Dynamik aus, die schließlich zur Spaltung führte, zur Entstehung einer eigenen lutherischen Kirche. Ein wesentlicher Grund dafür ist sicher, dass Luthers Ruf zur Erneuerung der Kirche im damaligen Rom und von den Bischöfen nicht gehört wurde. Rom und die Bischöfe tragen große Mitschuld, dass aus der Reform der Kirche eine kirchenspaltende Reformation wurde, ja dass es zur Spaltung der abendländischen Kirche kam.

Auf beiden Seiten kommt es zu Polemik und Verurteilung. Luther nennt den Papst den Antichristen und stellt nicht nur das Papsttum, sondern auch das katholische Kirchen- und Amtsverständnis grundsätzlich in Frage. Luther wird schließlich 1521 exkommuniziert und der Papst berief viel zu spät, als die Entwicklung bereits viel zu weit fortgeschritten war, ein allgemeines Konzil nach Trient ein.

Dass es zu dieser Entwicklung kam, dafür waren nicht nur theologische, sondern auch poltische Gründe maßgebend. Luther legt die Reform in die Hände des christlichen Adels. Der Appell an den Adel, nicht an das Volk, zeigt, wie sehr Luther noch mittelalterlich dachte. Schließlich kommt es schon zu Lebzeiten Luthers und erst recht nach seinem Tod zu einer Auflösung der Einheit auch innerhalb der reformatorischen Bewegung und zu einem unheilvollen Pluralismus innerhalb der abendländischen und dann der gesamten Christenheit. Wir sprechen vom konfessionellen Zeitalter, mit Abgrenzung und der Abwertung der jeweils anderen Kirche, mit Unterdrückung, Verfolgung und Vertreibung.

Inzwischen ist die Zeit des konfessionellen Säbelrasselns - Gott sei Dank! - vorbei. Auf dem Weg zueinander sind große Fortschritte gemacht worden. Das Gemeinsame wird über das Trennende gestellt. Beide Kirchen verstehen sich heute als "ecclesia semper reformanda", also als Kirche, die immer zur Erneuerung gerufen ist. Beide Kirchen lernen voneinander. Die Katholiken haben von den Evangelischen die Bedeutung des Wortes Gottes und der Bibel neu gelernt, die Evangelischen die Bedeutung der sakramentalen Symbolik und der Liturgie. Beide Kirchen sind durch die Ökumene bereichert worden. In der Frage des Verständnisses der Kirche, des kirchlichen Amtes und der Eucharistie bestehen nach wie vor trennende Unterschiede.

Es braucht den Dialog, Mut und Geduld auf dem Weg zur Einheit in "versöhnter Verschiedenheit" (O. Cullmann). Es braucht das gemeinsame Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. In unserer säkularisierten Gesellschaft von heute, die das Christentum aus dem öffentlichen Bereich zurückdrängen möchte, können es sich die Kirchen gar nicht mehr leisten, gegeneinander zu sein oder auch nur selbstgenügsam nebeneinander zu stehen. Deshalb braucht es das gemeinsame Zeugnis des Glaubens an jenen Gott, der uns im Menschen Jesus von Nazaret sein konkretes Gesicht gezeigt hat. Das Gebet Jesu am Abend vor seinem Sterben nimmt uns in Pflicht: "Alle sollen eins sein (…), damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast" (Joh 17,21).     

Aktuelle Termine

18. Feb. 2018, 09:30 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Pfarrgottesdienst
1. Sonntag in der Fastenzeit

18. Feb. 2018, 19:00 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Eucharistiefeier
am Sonntagabend

20. Feb. 2018, 19:00 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Kreuzwegfeier

Adresse

Pfarrbüro Hall in Tirol - St. Nikolaus
Bachlechnerstraße 3
A-6060 Hall in Tirol - Österreich
Tel.: +43 5223 57914 / Fax: DW -3

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