Bei Taufen, Erstkommunion, Firmung, Hochzeiten oder Beerdigungen, also an den Wendepunkten des Lebens, aber auch an Weihnachten oder Ostern, da ist der Gottesdienst noch gefragt. Das Jahr über findet sich aber nur eine kleine Schar, die regelmäßig den Gottesdienst mitfeiert. Fragt man nach den Gründen, so bekommt man vielfältige Antworten: "Der Gottesdienst gibt mir nichts", "Was bringt mir das?", "Ich habe kein Bedürfnis", "Ich bin in der Natur Gott näher", "Ich habe keine Zeit" oder einfach: "Ich kann mich nicht aufraffen, ich bin einfach zu faul". Jedenfalls: Für den Großteil der Katholiken ist der Sonntagsgottesdienst bedeutungslos geworden.

Dahinter verbirgt sich unter anderem der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung, der eben auch vor Religion und Kirche nicht Halt macht: Ich mach mir meine Religion und meinen Gott selber. Dahinter steckt aber auch oft eine reine Konsumhaltung (wir sind mehr "zeitgeistig" als wir wahrhaben wollen!), die den Gottesdienst unter dem Aspekt von Angebot und Nachfrage anschaut bzw. ihn unter andere Freizeitangebote (Sport, Event, Wellness) einreiht. In Frage kommt der Gottesdienst, wenn sich am Sonntag nichts Attraktiveres anbietet, wenn sich gerade ein religiöses Bedürfnis meldet, wenn zwecks Stimmungssteigerung Weihnachten oder Ostern nach einem religiösen Kick rufen.

Der Gottesdienst ist zur Verzierung und Verschönerung des Alltags geworden, nicht jedoch dessen Unterbrechung und Infragestellung. Eine solche Sicht des Gottesdienstes hat seine prophetische Kraft verloren, ist längst nicht mehr existentiell bedeutsam und verkommt zum bloßen Ornament. Irgendwann bricht dann das Ornament ganz weg und wird auch nicht mehr vermisst.

Der deutliche Rückgang der Gottesdienstbesucher hängt natürlich auch mit der Frage zusammen: Wozu Kirche überhaupt? Und schnell zählt man Missstände (und derer gibt es viele!) und Gründe auf, um sich von ihr zu distanzieren. Allerdings kann man auch beobachten: Privater Glaube verdunstet schnell und hat wenig Konsequenzen für das Christsein. Oder positiv formuliert: Der regelmäßige Gottesdienst nährt den Glauben, öffnet den Menschen für eine andere Dimension – jenseits von Leistung und Konsum. Er ist ein Fenster zur Transzendenz.

Wer den Gottesdienst mit der Erwartung besucht: "Mal sehen, was da geboten wird", wird schnell Gründe finden, zu Hause zu bleiben oder ein attraktiveres Programm vorzuziehen. Wer die Bitte um das Erbarmen Gottes für überflüssig hält, wer mit Lob Gottes, Dank und Bitte für sich und andere nichts mehr anfangen kann, wer die Gebets- und Liedtexte der Christen früherer Generationen einfach als überkommen abtut, wer die Lesungen aus der Bibel nur danach misst, ob ihm die Texte aufs Erste etwas sagen, wer keine Stärkung auf seinem Weg zu brauchen meint, der wird durch keine noch so "zeitgemäße" Form des Gottesdienstes auf die Dauer zufrieden zu stellen sein. Der Gottesdienst ist eben kein Event und kein Happening. Er darf nicht zur "Veranstaltung" degradiert werden und verträgt sich nicht mit Zuschauermentalität und Konsumhaltung.

Wenn wir den sonntäglichen Gottesdienst nicht mit einer Show verwechseln, um ihn dann am Unterhaltungswert zu messen, sondern ihn wiederum als das sehen, was er ist: Begegnung mit Gott, Ausrichtung auf das Wort Gottes, Feier von Tod und Auferstehung Jesu Christi, dann wird er zur Quelle für lebendiges Christsein. Wer sich mit offenem Herzen auf die Begegnung mit Gott im vertrauten Gottesdienst einlässt, wird erfahren, dass ihm der Glaube Sinn und Orientierung, Freude und Gelassenheit schenkt – eben einen anderen, wärmeren, helleren Farbton im Grau des Alltags.

Kirche und damit auch Pfarrgemeinde lebt nach der frühen Überzeugung der Christen von zwei Tischen: dem Tisch des Wortes (Wortgottesdienst) und dem Tisch des Brotes (Eucharistie). Wenn wir nicht immer wieder Nahrung erhalten aus diesen beiden Quellen, stirbt eine Gemeinde in ihren Lebenskräften ab, auch wenn noch manches in ihr los sein mag. Wer dauernd oder längere Zeit dem Sonntagsgottesdienst fernbleibt, wer sich immer wieder diesem Auftrag des Herrn "Tut dies zu meinem Gedächtnis" entzieht, nimmt sich nicht nur eine wichtige Quelle für das tägliche Leben, sondern schwächt auch die Pfarrgemeinde selbst. Vielleicht will dies nicht jeder gerne hören, aber es gehört zu den Binsenweisheiten des praktischen Glaubenslebens.

Wer ernsthaft seinen Glauben leben will, muss Interesse daran haben, diesen Glauben mit anderen zu teilen. Dazu bedarf es der regelmäßigen Zusammenkunft. Wir können den Sonntagsgottesdienst nicht davon abhängig machen, wie wir am Wochenende gelaunt sind oder von Samstag auf Sonntag geschlafen haben. Das Evangelium erzählt uns folgendes Gleichnis: "Ein Mann veranstaltete ein großes Festmahl und lud viele dazu ein ... Aber einer nach dem anderen ließ sich entschuldigen" (Lk 14,15-24). In der Messfeier sind die Gläubigen um den Tisch des Herrn versammelt: Wer fernbleibt, hinterlässt einen leeren Platz. Und er verweigert dem Mitchristen das Zeugnis des Glaubens.

Wie jede Beziehung, so bleibt auch die Beziehung zu Gott und zur christlichen Gemeinde nur dann lebendig, wenn sie regelmäßig gepflegt wird. Der Gottesdienst lebt vom Mitfeiern jeder und jedes Einzelnen, vom Beten und Singen, von der Aufmerksamkeit und vom Hören, von der Ehrfurcht und der (Körper)Haltung, vor allem jedoch von der inneren Einstellung. Andernfalls geht es so wie in jenem chinesischen Märchen, bei dem jeder der Gäste nur Wasser statt Wein für die Hochzeit des armen Paares mitbringt, weil jeder meint, das bemerkt keiner. Die Eingeladenen sollten je eine Flasche Wein mitbringen und ihn in ein großes Fass gießen. Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zum großen Fass und schöpften daraus. Doch groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war. Jeder hatte sich gedacht: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wird niemand merken oder schmecken. Leider hatten alle so gedacht. Alle wollten auf Kosten anderer feiern. Weil aber jeder so denkt, ist für das Fest nur Wasser da und so kann das Fest nicht stattfinden.

Gottesdienst - nicht weil Gott uns braucht, sondern weil wir ihn brauchen.

Aktuelle Termine

20. Jan. 2019, 09:30 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Pfarrgottesdienst
2. Sonntag im Jahreskreis

20. Jan. 2019, 19:00 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Eucharistiefeier
am Sonntagabend

27. Jan. 2019, 09:30 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Familiengottesdienst
3. Sonntag im Jahreskreis mit Erstkommunionstart

mit Kinderliturgiekreis und Kinderchor Cantini
anschließend Pfarrcafé

Adresse

Pfarrbüro Hall in Tirol - St. Nikolaus
Bachlechnerstraße 3
A-6060 Hall in Tirol - Österreich
Tel.: +43 5223 57914 / Fax: DW -3

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