Wozu eigentlich brauchen wir die Fastenzeit, richtiger "Österliche Bußzeit" genannt? Zum Abnehmen? Als düsterer Vorspann vor Ostern? Um uns in allerlei Verzicht zu erproben?

In Wahrheit nimmt uns die Kirche in diesen Wochen wieder mit auf den Weg der Taufbewerber und der Büßer, damit wir (wieder) Christen werden, Menschen, die nach dem Bild Christi gestaltet sind. "So sollen auch wir als neue Menschen leben" (Röm 6,4), wird uns die Osternacht zurufen.

Das bedeutet: Christsein ist nicht eine vage Weltanschauung, eine Tradition, eine Befindlichkeit, sondern zuerst und zuletzt eine Lebensform, eine Gestalt, die unser Denken und Leben gewinnen muss. Und dazu brauchen wir die Fastenzeit: dass unser Leben die richtige Gestalt, den richtigen Rhythmus (wieder) gewinnt. Und dazu gehören recht handfeste Dinge:

Der Rhythmus des Tages ist das Grundlegende. Es gehört zum Natürlichsten, dass die Sonne auf- und untergeht, dass der Morgen und der Abend kommt und auch die Nacht. Das prägt und gliedert den Alltag, bewusst oder unbewusst, trotz aller Technik. Christen versuchen, jeden Tag bewusst zu leben, als Geschenk und Auftrag anzunehmen und in der Hinwendung zu Gott, im Gebet, zu heiligen.

Morgen- und Abendgebet, zum Mittagstisch ein Segensspruch oder auch der "Engel des Herrn", Tagesvorsatz und Gewissenserforschung und ein Wort der Heiligen Schrift mit auf den Weg, das ist das Grundprogramm des Christen für jeden Tag. Das sollten wir in der Fastenzeit (wieder) gewinnen. Und wenn wir uns dabei schwer tun, uns auch helfen lassen. 

In der aufgehenden Sonne sehen wir ein Zeichen für Christus, die "Sonne der Gerechtigkeit", die über unserem Leben aufgegangen ist. Wir loben Gott für alle Wunder seiner Schöpfung und bitten um seinen Beistand für diesen Tag.

Und wenn der Abend kommt, zünden wir Lichter an im Wissen darum, dass Christus das Licht ist, das nie mehr verlischt. Wir legen den Tag dankbar zurück in die Hände Gottes und denken an alle, die unsere Hilfe im Gebet brauchen.

Dazu kommt der Rhythmus der Woche. Auch er gehört ganz wesentlich zur Lebensform der Christen. Die Woche ist eine überschaubare Einheit, in der Festtag und Fasttag, Arbeit, Ruhe und Feiern ihren festen Platz haben.

Anfang und Höhepunkt der Woche ist der Sonntag, der erste Tag, der Tag der Auferstehung Christi, ein Tag des Jubels und des Dankes. Der Sonntag braucht als Ganzes eine besondere Gestalt und bewusste Feier. Dazu gehört natürlich die Eucharistiefeier mit der Gemeinde, aber auch der festliche Mittagstisch mit Familie und/oder mit Gästen, Gebet, Schriftlesung, Krankenbesuch, sicher auch Freizeit, Spiel und Sport in der rechten Proportion. Das bewusste Leben und Gestalten des Sonntags ist unverzichtbar und wird über die Zukunft der Kirche in unserem Land entscheiden.

Aber auch die anderen Tage der Woche können ihre eigene Färbung und Bedeutung haben. Dazu gehören die Gedenktage und Feste der Heiligen, auch unserer Namenspatrone, vor allem aber der Freitag als Fast- und Bußtag im Gedenken an den Kreuzestod Jesu und der Samstag als Marientag. Maria ist ja die "Morgenröte der Erlösung", die Christus - dem Sonntag - vorausgeht.

Und die Feste sind es auch, die den Rhythmus des Jahres wesentlich bestimmen. Ein Leben ohne Höhepunkte wäre eintönig und langweilig. So feiern Christen die großen Feste des Jahres, vor allem Weihnachten, Ostern und Pfingsten, verbunden mit so viel kostbarem Brauchtum, das unsere Vorfahren uns überliefert haben.

Aber damit die Festesfreude so richtig leuchten kann, braucht es auch die ernsten Zeiten der Vorbereitung, der Besinnung und der Buße, vor allem im Advent und in den heiligen Vierzig Tagen der Fastenzeit. Und gerade auch diese Zeiten brauchen Inhalt und Form, im Verzicht auf so manches Unnötige, im Bemühen um ein reines Herz, um Gemeinschaft und Versöhnung.

Darum brauchen wir die Fastenzeit. Dass wir uns auf den Weg machen, und unserem Leben (wieder) die Form geben, die dem Christen entspricht. Auch wenn uns vielleicht noch so manches dazu fehlt. Aber darauf kommt es an.

Ein Christ ist kein sentimentaler Träumer, sondern einer, der vor Gott sein Leben in die Hand nimmt und ihm eine Form gibt, eine Form, die dem Bild Christi entspricht. Christsein ist eine Lebensform. Und das hat viele Konsequenzen.

In der heiligen Osternacht werden wir uns - so Gott will - darauf verpflichten. Und wir werden reich beschenkt sein.

 

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29. März 2019, 19:00 Uhr

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31. März 2019, 09:30 Uhr

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Pfarrgottesdienst
4. Sonntag in der Fastenzeit - Laetare

2. Apr. 2019, 19:00 Uhr

Pfarrkirche St. Nikolaus

Kreuzweg
anschließend Beichtmöglichkeit

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Tel.: +43 5223 57914 / Fax: DW -3

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